Rede des Altersvorsitzenden Joachim Ruff zur Eröffnung des Kreistages in Lübben am 25. Juni 2019  

Als Alterspräsident durfte unser Kreistagsabgeordneter Herr Joachim Ruff die konstituierende Sitzung des Kreistages Dahme-Spreewald eröffnen. Möge der Kreistag im Geiste seiner Rede wirken.

Sehr geehrte Damen und Herren, 

Wie werden wir – die 57 Abgeordneten des Kreistages – miteinander auskommen oder auch uns gegeneinander mit Anstand behaupten können? Wir sollen ja beides zugleich – die Interessen unserer Partei oder Wählergemeinschaft zur Geltung bringen und doch auch alle miteinander und mit der Verwaltung des Landkreises zusammen-arbeiten – zum Wohle aller Bürger! 

 

Der vor uns liegenden Arbeit möchte ich ein Wort aus der Bibel voranstellen; es ist die Jahreslosung der Evangelischen Kirchen aus dem Psalm 34: 

„Suche Frieden und jage ihm nach!“  Das ist jedem von uns gesagt: Bei aller Deutlichkeit in aufkommendem Meinungsstreit dennoch den Gegner respektieren und nach Gemeinsamkeiten suchen! Dies wird uns hier im Kreistag sehr viel eher gelingen, als z.B. den Parteien im Bundestag oder den Verantwortlichen des sogenannten „Deutschen Evangelischen Kirchentages“. Denn feindselige Ausgrenzung ist hier im Kreistag anscheinend nicht vorgesehen; hier darf ich als Altersvorsitzender reden  trotz meiner Zugehörigkeit zur AfD. 

 

Ich bin also zuversichtlich im Blick auf anständigen Streit und Friedensjagd. Dazu werden uns die geltende Geschäftsordnung, gute Zuarbeit der Verwaltung und gerechte Moderation des künftigen Vorsitzenden helfen. 

Unfruchtbares Gezänk, böse Unterstellungen und Missverständnisse können wir vermeiden, wenn wir die klassischen Regeln unserer europäischen Zivilisation in Ehren halten. Einige davon möchte ich hier jetzt anführen: 

 Bei Schuldzuweisungen bitte nicht verallgemeinern! 

Sippenhaft und Kollektivschuldurteile sind schlimme archaische Denk- und Handlungsweisen, die schon längst, nämlich im römischen Rechtswesen und vollends im Neuen Testament überwunden waren. Sie waren sogar schon im Alten Testament (beim Prepheten Hesekiel, Kapitel 18) bestritten worden. Doch leider werden sie in Geschichte und Gegenwart immer wieder zerstörerisch in Stellung gebracht. 

Bei Schuldanklagen bitte mit Tatsachen argumentieren – nicht mit willkürlichen Gedankenassoziationen! Und: Die Angeklagten selbst angemessen zu Wort kommen lassen! Das sind uralte selbstverständliche Grundsätze, deren häufige Mißachtung jedoch den gegenwärtigen Politik- und Meinungsbildungsbetrieb vergiftet. 

 Bevor man eine gegnerische Aussage skandalisieren möchte, bitte die wirkliche Meinung des Zitierten beachten, bzw. durch Nachfrage erkunden! Also nicht Zitate aus ihrem Zusammenhang reißen, um womöglich fälschende Vermutungen hineinzudeuten. 

 Bei öffentlichen Äußerungen bitte sorgsam mit unserer deutschen Sprache 

umgehen! Also Begriffe klären und auseinanderhalten! Beispiele: 

Respekt, Achtung und Ehrfurcht – drei Begriffe, die Ähnliches aber nicht Gleiches besagen. So auch: vergleichen, gleichsetzen, gleichstellen. Oder: Hetze und Kritik. 

Begriffsverwirrung und Manipulation geschehen gerade auch bei Fremdwörtern: Toleranz und Akzeptanz sind nicht dasselbe, ebenso sozial, sozialistisch; national, nationalistisch; populär, populistisch; human, humanistisch;  u.s.w. 

Bilder und Vergleiche bitte nicht überdehnend auslegen!  Auch das geschieht leider oft: Da übersieht man den speziellen Vergleichspunkt und kommt  zum falschen Vorwurf einer Idealisierung, Verharmlosung oder Diskriminierung. Hierzu ein Beispiel aus dem Neuen Testament: 

Bekanntlich hat Jesus sich auch offenkundigen Sündern freundlich zugewendet. Seine Gegner warfen ihm vor: Indem er Sünder zu sich läßt, verharmlose er die Sünde. Das war ein gezieltes Mißverständnis, denn Jesus hasste die Sünde, aber er liebte die Sünder. Er verharmloste nicht, sondern verschärfte die Gebote, z.B. das von der Nächstenliebe auch hin zur Feindesliebe. Jesus verkündete: Niemand ist ohne Sünde, doch alle sind wir von Gott geliebt und zur Umkehr gerufen. Dies veranschaulicht er v.a. mit den Gleichnissen vom Verlorenen Schaf, vom Verlorenen Groschen, vom Verlorenen Sohn. Wer nun diese Gleichnisse nicht gut kennt, sie nur unvollständig liest oder hört, kann sich leicht über Jesus empören – heutzutage eher so: Indem Jesus uns mit verirrten Schafen oder verlorenen Groschen vergleicht, diskriminiere er uns: Ein Mensch ist doch kein dummes Herdentier und schon gar nicht nur einen Groschen wert! Nun, das wäre eine überdehnende Fehldeutung dieser Gleichnisse. Denn der besondere Vergleichspunkt ist hier das eifrige Suchen des Hirten oder der Hausfrau und die Freude über das endliche Finden. Jesus erklärt das den lauernden selbstgerechten Pharisäern mit einem schönen Schlusswort: „Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über 99 Gerechte, die der Buße nicht bedürfen!“ (Lukas 15,7) 

In diesem Sinne wünsche ich uns eine gute Zusammenarbeit. Ich danke Ihnen!